Lesen Sie einen Text und denken sich nach zwei Sätzen: Das war eine KI? Typische Redewendungen und den Satzbau findet man immer wieder? Bestückt mit Aufzählungen, die alle gleich klingen. Mal Hand aufs Herz: Stört Sie das? Ist es Ihnen zu steril? Oder ist es Ihnen egal?
Ich glaube, es kommt ganz auf die Situation an. Wenn ich zum Beispiel eine Anleitung brauche oder schnell eine Information suche, ist mir wurscht, wer den Text geschrieben hat. Hauptsache, die Antwort stimmt und ich finde sie schnell. Wobei es auch immer gut ist, wenn die Quelle verlässlich ist. Da lohnt sich auch mal der zweite Click.
Aber ich glaube, es gibt viele Fälle, wo wir nicht mit einer KI sondern mit einem Menschen kommunizieren möchten. Auch schriftlich oder im Internet. Und dieses Bedürfnis wird meinem Gefühl nach nicht kleiner, sondern größer. Je mehr KI-Text im Netz kursiert, desto sensibler werden Leser für die Muster dahinter.
Ich schreibe Texte für B2B-Technologieunternehmen. Wobei es vielleicht im B2C-Bereich sogar noch krasser ist. Die Texte sollen KI-tauglich sein. Das heißt: gut strukturiert, klar beantwortete Fragen, verständlich formuliert, mit den Informationen, die ein KI-System braucht, um sie zu verstehen und in einer Antwort zu zitieren. Etwas, das KI perfekt für sich selbst schreiben kann.
Aber die Texte sollen dabei nicht nach KI klingen, weil das allmählich kein Mensch mehr lesen will, nur die KI selbst. Ach ja: die KI ist kein Mensch! Auch wenn sie oft so klingt. (Kleine Anekdote aus meinem Arbeitsalltag dazu unten.)
Wie speziell dürfen Texte für Spezialisten sein?
Meine Kunden sind in der Regel Spezialisten, Experten mit sehr konkreten Branchen- oder Nischenlösungen. Wenn deren Website oder Beiträge in Foren etc. dann künstlich oder zu glattgeschliffen und generisch klingen, geht genau das verloren, was sie eigentlich auszeichnet: das Individuelle und Besondere. Finde ich zumindest. Die KI frage ich dazu lieber nicht, manchmal will man die Antworten nicht sondern hört lieber auf sein Bauchgefühl.
Meiner Meinung nach müssen Texte authentisch klingen, nämlich nach dem Unternehmen, das dahintersteht. Sie sollen Wissen vermitteln oder eine konkrete Lösung anbieten und keine Worthülsen oder auf Wahrscheinlichkeiten beruhende Satzbauten. Damit schaffen wir die Grundlage für Vertrauen bei Menschen. Bis diese allerdings auf die Unternehmensseite gelangen, müssen auch die KI-Systeme überzeugt werden. Oder Google & Co. Das nette ist, die KI-Systeme bewerten Quellen auch nach Glaubwürdigkeit. Fragt sich jetzt, woran sie das bemessen. Aber es gibt ja viele verschiedene Parameter, die reinspielen und an denen man drehen kann.
Ich nutze KI übrigens sehr gerne, vor allem für die Recherche. Auch wenn sie mir manchmal auf den Wecker fällt. Das reduziert nicht nur den Zeitaufwand bei mir, sondern auch den Briefingaufwand für meine Kunden, gerade bei komplexen oder technisch anspruchsvollen Themen. So kann ich Grundlagen schaffen und eine Basis, mit der Kunden viel schneller und einfacher arbeiten können.
Geschrieben wird der Text am Ende trotzdem von mir. Meine Stärke liegt darin, mich in komplexe Themen einzuarbeiten, sie wirklich zu verstehen und dann so zu formulieren, dass sie bei der Zielgruppe ankommen. Über dreißig Jahre Erfahrung im B2B-Bereich machen da einen Unterschied, den ich in keinem Prompt der Welt nachbilden könnte. Das war der Eigenwerbeteil. 🙃
Und wie geht es Ihnen damit? Stört Sie KI-generierter Text?
Kleiner Zusatz zum Schmunzeln: Aus dem Arbeitsalltag einer KI
Meine KI möchte Feierabend machen…
Ich hatte mich mit Claude (KI-System) an einem Problem festgefressen. Wir suchten verzweifelt (ich = langsam verzweifelnd, die KI stoisch ihre Runden drehend) einen Fehler. Abends um 8 Uhr kam von Claude dann der Kommentar: „Lass uns morgen mit frischem Kopf weitermachen.“ … Kurze Sprachlosigkeit meinerseits. Dann von mir = ganz autoritärer Chef: „Du bist eine KI, du hast kein Kopf. Wir machen weiter!“
Ich warte auf den Urlaubsantrag 😂
Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes?
Noch eine nette Anekdote: Ich hatte in Claude die Frage gestellt, wie ich für eine wiederkehrende Aufgabe einen Agenten erstellen kann. Die Antwort kam prompt: „Du brauchst keinen Agenten, dafür hast du doch mich!“ 🥸
Angst um den Arbeitsplatz?
@Claude-Programmierer: Ich liebe euch dafür. Ich habe immer so viel Spaß dabei! ☺️